Populärkultur in Jugoslawien und ihre Rolle beim Zusammenbruch des Kommunismus

In der Zeit des Sozialismus in Jugoslawien aufzuwachsen und dort zu leben bedeutete, der kommunistischen Propaganda stark ausgesetzt zu sein und junge Menschen zu guten sozialistischen Bürgern zu machen. Andererseits konnten junge Leute in jedem Geschäft oder Buchladen in Jugoslawien die Produkte der amerikanischen Populärkultur konsumieren. Sie konnten, zum Beispiel, die Comics von Mickey Mouse kaufen, kriminologische und erotische Romane, neue Playboyhefte lesen, Walt Disney-Zeichentrickfilme sehen und in den Discos zu den Hits von ABBA und Boney M. tanzen. Aus diesem Grund wird der jugoslawische Sozialismus heute oft als „Coca-Cola-Sozialismus“, „Bastard-Sozialismus“ oder „westlicher Sozialismus“ bezeichnet.
Deswegen war Jugoslawien ein „ideologisches Paradox“, und wurde in den Ländern Westeuropas als viel liberaler interpretiert als der Kommunismus in den anderen sozialistischen Ländern.

Der Vortrag behandelt die jugoslawische Popkultur (Musik, Krimis, Filme …) in der Zeit von 1945 bis 1989 und zwar:
– wie sie zwei kulturelle Modelle (Sozialismus / Kapitalismus) vereint hat,
– wie sie die Liberalisierung sowie die sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Veränderungen der jugoslawischen Gesellschaft
beeinflusst hat und
– welche Rolle sie beim Zusammenbruch des Kommunismus gespielt hat

Montag, 18. November 2019, 19 Uhr

Mit Vladan Čutura, Philologe, Zagreb/Eisenstadt
im Europahaus Burgenland