Seminar mit Hildegard Kurt

Vom Nordkap bis zum
Kap der guten Hoffnung
Werkstätte für Zerreissproben

Seminar mit Hildegard Kurt und Hans Göttel
12. – 14. November 2018 in Eisenstadt

WAS
Ein paar anstößige Gedanken: Das unsere vertraute Weltanschauung speisende, Westeuropa und Nordamerika umfassende Politiksystem zerfällt, die Zeit der atlantischen Welt geht zu Ende. Nach der zweiten, kommunistischen Welt implodiert nun auch die erste. Ändert sich die Welt, so ändert sich die Weltanschauung. Noch blinzelt der europäische Blick, noch sträubt sich die europäische Politik, es fürchten sich die europäischen Nationen, am meisten jene, die wohlhabend in der Mitte liegen und am wenigsten zu befürchten haben. Als Michael Gorbatschov Eurasien als gemeinsamen Wirtschaftsraum von Lissabon bis Wladiwostok ins Spiel brachte, war niemand zum Mitspielen aufgelegt. Stattdessen lockte man die Ukraine, um sie dann doch zurückzustoßen, während die Türkei, der Gängelei überdrüssig, nun ihrerseits die Türen zuschlägt. Aus dem fernen Osten rollen schwere Züge über eine vage Idee von neuer Seidenstraße gen Westen, breitspurig bald bis nach Wien.

Die ohnehin auf uns zu kommende Zukunft wird aber nicht einmal bemerkt: der mit Afrika gemeinsam gebildete Lebensraum! Eine freie Welt vom Nordkap bis zum Kap der guten Hoffnung! Was wie eine Provokation erscheint ist auch so gedacht. Es möge etwas hervorrufen: die Lust auf Welt-Anschauung und die Arbeit mit Anschauungswelten.
Wir begeben uns in eine Werkstätte für Zerreißproben, um zu erspüren, was von uns zerrissen, was um uns zerfetzt werden muss, damit wir uns in kosmopolitischer Gesinnung neu verbinden können. Wir erbitten hierfür den Segen des Heiligen Martins, des burgenländischen Landespatrons, der einst seinen Mantel – ein Symbol der römischen Militärmacht – zerriss und mit einem Bettler teilte. Angesichts lauter fetziger Typen nannten die Römer unsere Region Pannonien [von lat. panniculus: Fetzen]. Der Name soll Programm werden – und die Akademie Pannonien der Ort, um zu zerfetzen, was am Denken hindert.

WIE
Das Seminar weckt kosmopolitisches Denken und entfaltet künstlerische Praktiken in jenem erweiterten Sinn, wofür einst Beuys den Satz »jeder Mensch ist ein Künstler« prägte, was besagt: Es gibt eine Dimension in uns, wo wir alle frei sind – frei, bewusster zu werden, frei, uns zu entwickeln und frei, um kreativ Formen eines veränderten und verändernden Verhaltens in der Welt zu erkunden. So vermittelt dieses Seminar Methoden und Strategien, die helfen können, Zugang zu den eigenen Fragen und Fähigkeiten, zur eigenen Kreativität zu finden.
Da die Einladung, miteinander zu erkunden und zu gestalten, ernst gemeint ist, kann es bei diesem Seminar kein durchgehend festgelegtes Programm geben. Stattdessen werden wir nach zwei einführenden Prozessen am ersten Tag ab Beginn des zentralen Arbeitstages gemeinsam herausfinden, was es braucht, um die Zusammenkunft wirklich fruchtbar werden zu lassen.

MONTAG, 12. November 2018

14.30 Uhr:
Eintreffen, Kaffee

15.00 Uhr:
Begrüßung, Kennenlernen und Einführung
Eine Mitteilung aus der Zukunft erhalten

18.00 Uhr:
Abendessen

19.00 Uhr:
Die Stimme des Mutes hören

20.00 Uhr:
Geselliges Beisammensein

DIENSTAG, 13. November

9.00 Uhr:
Zur Agenda finden. Im Dialog nach David Bohm
Von hier an richtet sich der Ablauf danach, wohin der bisherige Prozess geführt hat.
13.00 Uhr:
Mittagessen

15.00 Uhr:
Fortsetzung

19.00 Uhr:
Abendessen

MITTWOCH, 14. November

9.00 Uhr:
Fazit und Ausblick
Wo sind wir jetzt?
Was können wir aus dem gemeinsamen Arbeiten als Werkzeug, als Einsicht, als Substanz mitnehmen?
Gibt es Vereinbarungen, die wir miteinander treffen wollen?

13.00 Uhr:
Einladung zum gemeinsamen Mittagessen
Ende

Hildegard Kurt
ist promovierte Kulturwissenschaftlerin, Autorin und praktisch auf dem Feld des erweiterten Kunstbegriffs tätig. Mitbegründerin des und. Institut für Kunst, Kultur und Zukunftsfähigkeit in
Berlin, seit 2011 mit Seminaren und Werksstätten dem Europahaus Burgenland verbunden.

Anmeldeinformation
Max. 12 TeilnehmerInnen, um Anmeldung wird gebeten!
Übernachtung: ÖJAB Heim
Kosten: € 40,- für Nichtmitglieder
Anmeldung: bis 31. Oktober 2018
office@europahaus.eu
+43 2682 72190-5933