Internationale Konferenz für die Akademie Pannonien

Die Verlagerung des Humanen –

in eine weltoffene Region mit kosmopolitischer Zukunft

Weltweit leben immer mehr Menschen in Lagern. Die meisten werden unter humanitären Gesichtspunkten in Lagern gehalten, um vor Übergriffen geschützt und mit dem Notwendigen versorgt werden zu können. Die Versorgung von Bodenlosen, Entwurzelten, Vertriebenen ist zu einer wichtigen Aufgabe auch der internationalen Gemeinschaften geworden. Über die ganze Welt werden immer mehr und immer größere Flüchtlingslager errichtet und durch internationale Instanzen versorgt. Neue Generationen wachsen als Lagerinsassen auf und erleben das Lager als Lebenswelt. Die „Verlagerung“ von immer mehr Menschen mag ihrer Versorgung dienen, die Lagerhaltung von Menschen ist aber nicht menschenwürdig.
Die Diskussion um Anlandezentren und Transferlager an innereuropäischen Grenzen, die rechtlich als außerhalb des staatlichen Rechts konstruiert werden, zeigt ein kurzsichtiges politisches Denkmuster, das mit einer Verlagerung der Probleme eine Verlagerung des Humanen antreibt.
In freier Lebenswelt sind es oft Einzelne und kommunale Initiativen, die sich um die Fremden und ihre Ent-fremdung kümmern. Sie eröffnen durch ihr Engagement die Chance auf Begegnung und Beheimatung in einer offenen Lebenswelt und ersparen vielen die Kasernierung. In den letzten Jahren haben uns im Burgenland und in Pannonien immer wieder Nachrichten von einem ungebärdigen Umgang der Landesverwaltungen mit Flüchtlingen und Asylwerberinnen erreicht: Verweigerung von Bescheiden; Forderung von Deutschkenntnissen ohne Zugang zu Kursen, Schikanen gegenüber Hilfsorganisationen (siehe v.a. Publikationen von S.O.S. Mitmensch Burgenland). Es scheint, als ob landespolitisch hinter vorgeschobener Sicherheitspolitik Ängste geschürt und Grenzlandmentalitäten reaktiviert werden. Dazu kommt eine Auffassung von (Landes-) Politik als eine Art von Konzernführung, was dazu führt, menschliche Lebenswelten unter Profiterwägungen zu betrachten.
Die Lebenswelt des Burgenlandes kennt aber auch Gastfreundschaft, Nächstenliebe und multikulturelles Zusammenleben. An Voraussetzungen und Traditionen für eine weltoffene Gestaltung fehlt es nicht, dieses Potential gilt es zu stärken, zu entfalten – und vor Landespolitik zu schützen.
Wer sich nicht von anderen bestätigt fühlt und andere nicht bestätigen kann, weil er in seinen Beziehungen zu anderen durch starre Vorschriften und artfremdes Kalkül festgelegt ist, erfährt nicht, dass er „wer ist“ (Horst Rumpf). Es ist daher wichtig, kreative Wege zu finden, sichtbare Zeichen zu setzen und internationale Verbindungen zu knüpfen, um der Umformung des Landes in einen Konzern und der Verwandlung von Lebenswelt in eine Lagerhaltung widerstehen bzw. entkommen zu können.

Die pannonische Internationalität.

Rund um das ehemalige Pannonische Meer (die heutige Ungarische Tiefebene) sitzen die Vielvölkerschaften wie die Frösche um den Teich. Gleich dem Burgenland, sind der Karpatenbogen, die Westukraine, die Bukowina, die Batschka, das Banat u.a. kleinere Gegenden gekennzeichnet von Vielsprachigkeit und bunter Durchmischung der Kulturen als Folge von Bevölkerungsverschiebungen über Jahrhunderte. Homogenisierungsversuche im Geist des Nationalismus sind in dieser Region im Ansatz stecken geblieben, werden jedoch immer aufs Neue versucht. Die ethnische Buntheit spiegelt sich nicht zuletzt in der durch Joseph Haydn, Franz Liszt und Béla Bartok geprägten Musiktradition. Die pannonische Internationalität hat kaum etwas mit Nationalstaaten, dafür viel mit Toleranzkultur und Ortsverbundenheit zu tun, Eigenschaften und Lebensformen, die zunehmend unter politischen Druck geraten und, wie so oft in der Geschichte, nur über künstlerische Wege zum Ausdruck kommen können.
Zur Feier seines 50jährigen Bestehens eröffnete das Europahaus Burgenland 2016 die Akademie Pannonien, um jenseits von Landespolitik Möglichkeitsräume für eine freisinnige, künstlerische und weltoffene Bildungsarbeit zu schaffen. Die Akademie Pannonien versteht sich als Atelier für kosmopolitische Theorie, Praxis und Poesie und orientiert sich an der reichen Tradition antipolitischer Weisheiten Mitteleuropas, wie sie von György Konrád, Václav Havel, Béla Hamvas u.a. aus der Not politischer Gegebenheiten und aus guten, humanitären Gründen beschrieben wurden. Ein Zeichen am Weg ist uns auch das Lebenswerk des zweiten UN-Generalsekretärs Dag Hammarskjöld (1905-1961), das in einem Forschungsprojekt, das an der Brookes Universität in Oxford angesiedelt ist, erschlossen wird.
Es geht der Akademie Pannonien darum, das verschüttete pannonische Erbe kosmopolitischen Denkens über die aktuellen Herausforderungen, wie sie die Weltlage mit sich bringt, wieder zu entdecken: für das Leben zu bergen und vor Politik zu verbergen. Die Akademie Pannonien 2018 versucht die internationale Begegnung von Mystik und Diplomatie, wie sie in der Person und im Lebenswerk von Dag Hammarskjöld angelegt ist. Der Pianist Paul Badura-Skoda, der Hammarskjöld Anfang der 1960er-Jahre persönlich begegnet ist, wird zu seinen Ehren am 1. Oktober 2018 im Schloss Esterházy ein Konzert spielen. Kartenbestellung im Europahaus.

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2018_10_01_Konferenz_Verlagerung des Humanen_Stand_2018_08_01_mail